Jetzt wird's ernst - Teil 1 meiner Abschlussprüfung

In der Werkstatt der Elektroniker für Betriebstechnik des 2. Ausbildungsjahres ging es in diesem Frühjahr zu wie in einem Ameisenhaufen. Grund war die Vorbereitung für die Abschlussprüfung Teil 1. Diese ersetzt die frühere Zwischenprüfung und zählt 40% auf die Endnote der kompletten Ausbildung. Bei dieser Prüfung geht es darum, ob die Azubis in der Lage sind, fachgerecht an einer elektrischen Anlage zu arbeiten, sie sicher in Betrieb zu nehmen und an den Kunden zu übergeben. Dazu wird in der Werkstatt ein Prüfungsgestell aufgebaut, das eine Anlage simulieren soll. Dieses Jahr handelte es sich um eine Abfüllanlage für einen Baustoff wie z.B. Zement. Die Prüfung für Elektroniker für Betriebstechnik ist bundesweit einheitlich geregelt.

Inhalte der Prüfung

Das Prüfungsgestell

Das aufgebaute Grundgestell wird dann mit zur eigentlichen Prüfung genommen und dort um neue Funktionen erweitert. Der Auszubildende hat insgesamt 6.5 Stunden Zeit, um sich in die neuen Funktionen einzuarbeiten, die Schaltpläne zu ergänzen, die Bauteile auf dem Gestell zu verdrahten und das Bedienfeld um neue Taster und Schalter zu erweitern. Es ist aber so, dass man für die Abnahme der Schaltung noch eine Stunde der Zeit übrig lassen sollte. Dort wird dann anhand eines Prüfprotokolls sichergestellt, ob die Anlage den Vorschriften entspricht. Zuerst wird eine ausführliche Sichtkontrolle vorgenommen, um Schäden an den Bauteilen auszuschließen. Anschließend werden diverse Messungen durchgeführt wie zum Beispiel der Schutzleiterwiderstand, der Isolationswiderstand, die Betriebsspannungen oder das Drehfeld der Motoren. Weiter geht’s mit der Funktionskontrolle, in der  jeder mögliche Zustand der Anlage getestet wird. Wenn die Anlage in Ordnung ist, setzen der Auszubildende und der Prüfer ihre Unterschrift unter das Protokoll und die Prüfung ist beendet.

Man merkt, dass die Abschlussprüfung Teil 1 sehr umfangreich ist und man keine Zeit vergeuden darf. Deshalb wurden in der Werkstatt auch Verdrahtungsübungen auf Zeit durchgeführt, um die Verdrahtung zu beschleunigen. Vorgegeben war zum Beispiel die Aufgabe, 15 Leitungen in 15 Minuten zu verlegen. Wer schon an elektrischen Geräten oder Anlagen gearbeitet hat weiß, dass das Ganze ziemlicher „Fummelkram“ ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurden wir von Übung zu Übung immer besser und sicherer.

In der Prüfung bekommt jeder Azubi knapp 20 Seiten Dokumentation für die Anlage. In dieser fehlen jedoch etwa Bauteile im Stromlaufplan oder Beschriftungen. Diese müssen auch in der Prüfung ergänzt und eingezeichnet werden. Auch dies wurde unzählige Male von uns geübt.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen

Blick in meine Werkzeugtasche - diese wird jedem angehenden Elektroniker für Betriebstechnik am Anfang seiner Ausbildung zur Verfügung gestellt

Am 1. Juni erhielten wir dann unsere Ergebnisse:

Unsere 24 Elektroniker für Betriebstechnik des 2. Ausbildungsjahres haben die Abschlussprüfung Teil 1 der IHK mit einem Schnitt von 90,5% bestanden.

Rückblickend auf die praktische Prüfung lässt sich sagen, dass sich die harte Vorbereitung für uns gelohnt hat. Alle konnten ihre Anlage erfolgreich aufbauen und in Betrieb nehmen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere Ausbilder André Janssen und Carsten Wätjen, die uns in jeder Situation unterstützen und auf jede Frage eine Antwort haben.

1 Kommentar(e) zu: Jetzt wird's ernst - Teil 1 meiner Abschlussprüfung

Enno

Enno

23.07.2015 | 09:11

Vielen Dank, eine sehr schöne Beschreibung. Ich habe ja ursächlich auch mal Funkelektroniker gelernt und bin durch diesen Bericht wieder "auf Stand" gebracht worden. Die Erinnerung an den "Fummelkram" in der Prüfung erzeugte bei mir wieder ein "Prüfungsmagenkribbeln".

Grüße an Alle,

Enno

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