"Azubi trifft..." – im Gespräch mit Geschäftsführer Sebastian Jurczyk – Teil 2

Im zweiten Teil unseres Interviews haben wir mit dem Geschäftsführer von EWE VERTRIEB/EWE TEL, Sebastian Jurczyk, über Tipps für Bewerber, den Faktor Mensch und seinen Wunschjob für einen Tag gesprochen. Außerdem hat er uns seinen größten Traum verraten.

Ihr habt den ersten Teil unseres Gespräches noch nicht gelesen? Hier geht es zu Teil 1.

Stefan: Was kannst du persönlich potenziellen Bewerbern/-innen als Tipp für die Zukunft mit auf den Weg geben?
Was ich dazu nur sagen kann: Man muss auf jeden Fall man selbst bleiben. Also bloß nicht verstellen. Wenn das nicht klappt, dann ist auch die Firma die falsche – also, ich finde, da sollte man relativ entspannt herangehen. Außerdem sollte man bei dem, was man sucht, egal ob Job oder Ausbildungsplatz, immer gucken, dass man was findet, wo man richtig Leidenschaft und Spaß dran hat. Also nicht etwas, wo man sich hin quälen muss, sondern wo man einfach richtig Bock drauf hat. Wenn man merkt, dass es der erste Ausbildungsberuf nicht ist, dann abbrechen und was Neues suchen – nicht durchquälen. Ich sehe beim Bewerber, ob der für ein Thema brennt oder nicht – das siehst du dann an den Augen. Entweder sie glänzen, oder sie glänzen nicht. Und wenn sie nicht glänzen, dann werden sie das auch später im Gespräch und im Job nicht tun. Und das andere, was ich jedem empfehlen kann: immer ein bisschen mehr machen als alle anderen. Damit meine ich aber nicht abends um 23 Uhr noch Mails schreiben, sondern immer bereit sein, einen Tick mehr zu geben. Und ich glaube, es wird relativ schnell gesehen, wer bereit ist, mehr zu machen als der Durchschnitt. Dadurch kann man sich abheben und dann wird die Karriere nachher, wie auch immer man Karriere definieren will, fast ein Selbstläufer.

"Es ist einfach der Faktor Mensch, der mich so begeistert."

Merle: Würdest du Karriere definieren, so hoch wie möglich zu kommen innerhalb eines Unternehmens oder so glücklich wie möglich zu werden?
Ganz klar letztere Antwort. Bei manchen ist das verknüpft mit Macht, Einfluss oder Geld, denn jeder definiert ja Glück auch anders für sich. Ich glaube, am Ende der Karriere sollte man dort angekommen sein, wo man am besten hinpasst, wo man am besten wirken kann und wo man am glücklichsten ist. Ich glaube, es gibt Leute, die können Projektarbeiten tausendmal besser als ich – es gibt viel bessere Projektleiter auf dieser Welt, es gibt viel bessere Controller als Jurczyk und es gibt viel bessere Marketeers als Jurczyk. Deswegen glaube ich, dass ich in so einer Position nicht so gut wäre oder so wirken könnte, wie in meiner jetzigen Position. Ich glaube einfach, dass ich gut Menschen führen kann, dass ich gut Teams entwickeln kann, und das kann ich in dieser Position am besten. Aber ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass man für sich selbst ein Ziel gesteckt hat. Und Karriere kann übrigens auch sein: Projekte zu führen oder als Mitarbeiter einen kleinen Verantwortungsbereich zu haben. Also Karriere hat nicht immer nur etwas mit Hierarchiestufen zu tun. Aber mit Glück hat es definitiv etwas zu tun – definitiv.

Merle: Und wenn du dich für einen Beruf entscheiden müsstest, den du für einen Tag ausüben könntest und der gar nichts mit deinem Job als Geschäftsführer zu tun hat, welcher wäre das?
Ich würde mich sofort für den Hausarzt entscheiden. Um die richtige Diagnose stellen zu können, müsste ich mich mit dem Faktor Mensch auseinandersetzen und den gesamten Patienten verstehen. Denn meistens geht es auch um viel mehr, als die Krankheit selbst. Jetzt gibt es doch wieder Parallelen zu meinem Beruf, da auch ich mich täglich damit auseinandersetze, wie Menschen fühlen, wie sie ticken oder auch wie ich sie motivieren kann und was ihnen wichtig ist. Es ist einfach der Faktor Mensch, der mich so begeistert.

"Ein Haus auf Norderney wäre mein größter Traum, den ich mir gerne erfüllen würde."

Sebastian Jurczyk

Sarah: Du erwähnst häufig den Faktor Mensch. Bist du der Meinung, dass einem dieses Thema liegen muss, um eine gute Führungskraft zu sein?
Ja, das denke ich durchaus. Denn im Zentrum der Arbeit als Führungskraft steht immer der einzelne Mitarbeiter bzw. das Team, das geführt wird. Dabei kann man nicht alles nur durch Seminare und Methodik erlernen. Du musst insbesondere Interesse an Menschen haben. Aus diesem Grund steht für mich in Bewerbungsgesprächen die Persönlichkeit eines Bewerbers im Fokus. Neben der Motivation eines Bewerbers sind natürlich aber auch Lebenslauf und Berufserfahrung wichtig.

Sarah: Ist das Thema eigene Persönlichkeit im Zusammenhang mit dem Auswahlverfahren für die zukünftigen Auszubildenden und dualen Studenten für dich genauso wichtig?
Das ist es. Ich war ja selbst kein Musterschüler und noch viel zu unreif um mir zum Beispiel Gedanken darüber zu machen, wie man später eine Familie ernähren kann. Jeder entwickelt sich in einer anderen Geschwindigkeit, sodass manche früher und manche später „erwachsen“ werden. Innerhalb eines Auswahlverfahrens zählt der Gesamteindruck eines Bewerbers und dazu gehören auch Noten. Ein wichtiger Faktor ist und bleibt aber die Persönlichkeit. Deswegen bin ich auch sehr froh, dass unsere Ausbildungsleitung diese Auffassung teilt. Wer nur auf die Noten achtet, nimmt sich meiner Meinung nach eine große Chance im „War for talents“.

Stefan: Sebastian, du hast das Interview fast geschafft. Abschließend gibt es aber, wie auf dem Stuhl bei Günther Jauch, die Millionenfrage: was würdest du mit einer Millionen Euro machen, und welchen Traum würdest du dir erfüllen, wenn du darüber frei verfügen könntest?
Ein Haus auf Norderney wäre mein größter Traum, den ich mir gerne erfüllen würde. Sobald ich dort bin, bin ich wie in einer anderen Welt und total entspannt, sodass ich richtig Energie tanken kann. Denn ich habe mich in diese Insel einfach verliebt – und das trotz des norddeutschen Wetters. Aus einem neuen Auto würde ich mir zum Beispiel nicht so viel machen. Auch wären Bungee- oder Fallschirmspringen nicht auf meiner Wunschliste. Da bleibe ich lieber mit beiden Füßen fest auf dem Boden, im Sand von Norderney. Sollte dann noch etwas von dem Geld überbleiben, würde ich es für meine Tochter zurücklegen.

Vielen Dank für das offene Gespräch!

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